Die „Veste zu der Reuth“
350 Jahre böhmisches Kronlehen im Alten Reich
Als Reuth erstmals im Laufe des späten Mittelalters am 26. Juli 1337 in einer Urkunde des Zisterzienserklosters Waldsassen unter Otto von Trautenberg erwähnt wird, bestand der Ort schon seit dem hohen Mittelalter. Die Forschung hat nachgewiesen, dass die Orte mit dem Namen –reuth während der großen europäischen Dynamik des Landesausbaus und der Urbanisierung im Hochmittelalter durch die Rodung des Waldes entstanden sind (Rodungssiedlungen). Der Begriff "veste" bedeutet in den deutschsprachigen Quellen des Hoch- und Spätmittelalters nichts anderes als Burg. Manchmal findet sich "hus" und seltener "kastel"; am meisten aber "burch". Schließlich (um 1400) auch "slos".
Das Geschlecht der Trautenberger erscheint erstmals 1244 mit Marquard Trautenberger. Dieser war Dienstmann der Landgrafen von Leuchtenberg. Im späten Mittelalter zählten die Trautenberger von Reuth zum Territorial- oder niederen Adel. Der Aufstieg in den Niederadel erfolgte bei den meisten während des hohen Mittelalters, als sie mehrheitlich noch unfreie Dienstmannen (Ministerialen) eines mächtigen Herrn gewesen sind. Bei den Ministerialen handelte es sich um besonders tüchtige und qualifizierte Unfreie, die von ihren Eigentümern (!) für Aufgaben bei Hofe, zum Kriegsdienst als Panzerreiter oder zur Burghut herangezogen wurden. Man kann sie daher als „gehobene Unfreie“ bezeichnen. Sie brauchten im Gegensatz zum klassischen Unfreien keine schwere Arbeit verrichten. Auch sie zählten zum Hörigenverband ihres jeweiligen Herrn (König, Bischof, Kloster, Herzog oder Graf) und waren diesem ganz unterworfen; sie konnten bei Verfehlungen jederzeit ausgetauscht und bestraft werden. Sie waren mit die großen sozialen Aufsteiger im Mittelalter.
Wenn einer der Großen im mittelalterlichen deutschen Reich (lat. regnum Teutonicum/Teutonicorum), wie der hiesige Markgraf Diepold III. im 12. Jahrhundert sein Gebiet sichern wollte, so ließ er Burgen bauen und besetzte sie mit seinen unfreien Ministerialen. Er vergab die Burgen also nicht unbedingt als Lehen an Adlige, da diese mit der Zeit erblich und dem Lehnsherrn entfremdet werden konnten, sondern ließ sie durch von ihm abhängige unfreie Dienstleute verwalten, da beim Adel neben der erwähnten Erblichkeit der Lehen die Gefahr bestand, dass diese den verliehenen Grund und Boden mit der Zeit gar als ihr Eigentum (Allod) betrachteten. Die Ministerialen erhielten zunächst also nur "Dienstlehen" und keine echten Lehen. Diese konnten ihnen jederzeit wieder entzogen werden. Auch ihre Bestrafung war für den Herrn leichter möglich als bei einem Freien. Unfreie Dienstmannen waren eine deutsche Besonderheit im Früh- und Hochmittelalter; in den anderen europäischen Reichen gab es sie nicht in dieser Form. In den Heeresaufgeboten ihrer adligen Herren (König, Bischof, Kloster, weltlicher Hochadel) stellten sie den Großteil der Panzerreiter (also nicht der Adel)!
Trotz der genannten Einschränkungen konnten die Ministerialen aufgrund ihrer Stellung schnell mächtig und bedeutend werden und strebten, da sie ja meist noch unfrei waren und dies mit ihrer errungenen Stellung in Widerspruch stand, selbst in den Adels- und Ritterstand. Etwa Mitte des 13. Jahrhunderts hatten sie es geschafft. Diese Familien bildeten jetzt im späten Mittelalter (um 1250/1300-1500), als Reuth erstmals urkundlich genannt wird, den Großteil des niederen Adels auf dem Land und in den Städten. Den Auftrag hier zu roden und eine Siedlung östlich der Furt des heutigen Heinbaches anzulegen konnten die Trautenberger (sofern sie es waren) nur aufgrund einer herrschaftlichen Anordnung erhalten haben. Nach vereinzelten Rodungen im 10. Jahrhundert in anderen Landschaften des damals im Entstehen begriffenen deutschen Königreiches unter den Ottonen, deren Orte auf –igerode enden, begann die große Epoche des Landesausbaus im Hochmittelalter vom 11. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Grund war ein massiver Bevölkerungsanstieg im hohen Mittelalter aufgrund verbesserter Anbaumethoden. Es ging jetzt nicht mehr um die Anlage einzelner Siedlungen sondern um Ausbau und Planung im großen Stil mit vorheriger Landvermessung (vgl. Ernst Schubert, Alltag im Mittelalter, 2002, S. 42). Im deutschen Reich wurde damals eine Waldfläche von der Größe Englands gerodet; auch der Großteil der deutschen Städte (rund 4.000!) ist damals entstanden!
Das konnte freilich nur der weltliche und geistliche Hochadel bewerkstelligen. Wer aber war es dem Reuth seine Existenz verdankt und der evtl. die Trautenberger hier mit der Rodung beauftragte? Dies kann wohl nur der mächtige Markgraf des bayerischen Nordgau, Diepold III. (1093-1146), gewesen sein. Der bedeutende Göttinger Landeshistoriker und Mediävist Ernst Schubert schreibt über ihn: „Männer also wie [...] Diepold III. planten in einem neuen, ganze Landschaften erfassenden Stil, als sie anfangs des 12. Jahrhunderts […] in der Naab-Wondreb-Senke das Unland zu erschließen befahlen“. Mit ihm begann in unserer Gegend der großflächige Landesausbau. "Träger der Kolonisation waren hier der Markgraf und seine Ministerialen", so auch Hans-Jürgen Nitz, in: Oberpfälzer Heimat 35 (1991), S. 27. Diepold III. war auch der Stifter des Klosters Waldsassen und Gründer der Burg Eger. Der Markgraf (marchio) war als "Grenzgraf" der bevollmächtigte Vertreter des deutschen Königs in einer wichtigen Grenzregion im Osten des Reiches mit weitreichenden Kompetenzen und militärischen Vollmachten - ähnlich denen eines Herzogs. Es ist also sehr wohl möglich, dass in die 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts, noch zu Lebzeiten Diepolds III. (+1146) auch die Gründung von Reuth gefallen ist, als der Markgraf - wie oben erwähnt - die umfassende Erschließung der Naab-Wondreb-Senke initiierte. Es wurde aufgrund einer herrschaftlichen Anordnung gerodet. Diese wurde von sog. "Lokatoren" durchgeführt. Das waren regelrechte "Siedlungsunternehmer" die Bauern für die Rodung und Dorfgründung anwarben. Alle an der Erschließung teilnehmenden Bauern wurden dafür einige Jahre mit niedrigeren Abgaben belastet oder auch völlig von solchen zunächst befreit. Man wusste, dass die neu kultivierten Flächen für einige Zeit noch nicht den Ertrag wie sonst üblich bringen würden. Auch brauchte es Anreize da die Rodungen gefährlich und mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden waren. Die Rodungstätigkeit war zudem eine hoch angesehene religiöse Tat, da im Mittelalter der Wald als magischer Ort galt, menschenfeindlich, bewohnt von bösen Geistern und Dämonen. Wenn man nicht dahinter war, holte sich der Wald sehr schnell die gerodete Fläche zurück. Der verantwortliche Unternehmer (Lokator) erhielt oft zusätzlich mehr Hufen (Bauernstellen) vom Grundherrn zugeteilt und erhielt das Amt des Dorf-Schulzen (auch "Meier" genannt), der für den Grundherrn später die Abgaben einzog; schließlich hatte der Lokator das finanzielle Risiko des gesamten Unternehmens zu tragen. Da außer unserem Ort die meisten anderen –reuth-Orte einen vorangestellten Namen beinhalten - wie etwa Thumsenreuth oder Premenreuth - ging man früher davon aus, dass es sich hier um Personennamen handelt, die „den grundherrlichen Auftraggeber und Besitzer der neuen Siedlung, seltener wohl den ausführenden Beauftragten (locator) zu erkennen“ geben, so noch Hans-Jürgen Nitz, in: Oberpfälzer Heimat 35 (1991), S. 26. Auch Johann B. Lehner ging noch davon aus, dass es sich bei Thumsenreuth um die Rodung eines „Thomas/Tomes", bei Premenreuth um die eines gewissen „Primo“ handeln soll. Während die frühmittelalterlichen Beinamen der –ingerode Orte des 10. Jahrhunderts aus ottonischer Zeit tatsächlich eine Person betreffen weist die moderne landesgeschichtliche Forschung heute daraufhin, dass die Rodungssiedlungen des Hochmittelalters auf keine Personennamen hindeuten (vgl. Ernst Schubert, Alltag im Mittelalter, 2002, S. 42)!
Vielleicht wurde die Dorfgründung bereits von den Trautenbergern von ihrer zwei Kilometer südlich von hier gelegenen Stammburg aus durchgeführt um hier die Heinbachfurt und den dort verlaufenden wichtigen Verkehrsweg nach Westen (Erbendorf) und Osten (Falkenberg), zwischen Nürnberg und Eger, zu sichern. Die Burg Reuth wurde auf einem weit nach Westen reichenden vorgeschobenen Steilhang auf der linken, östlichen Seite des Heinbaches direkt über der Furt angelegt und hatte so eine ideale Lage. Die Burg selbst ist wohl erst nach dem Dorf errichtet worden; jedenfalls befand sie sich an gleicher Stelle, wo heute das Schloss steht. Die Ausdehnung der mittelalterlichen Burganlage wird man sich wie den heutigen repräsentativen Teil der Schlossanlage vorzustellen haben - also ohne den Wirtschaftsteil (die kleine Mauer, die heute in der Mitte der Anlage den Innenhof vom Wirtschaftsteil trennt, dürfte uns die Ausdehnung der ursprünglichen Burg anzeigen). Im Jahre 1387 verkauften die Trautenberger ihre gleichnamige Stammburg und machten Reuth zu ihrem Hauptsitz.
Zur Versorgung der Burg Reuth dienten zunächst nur bis zu drei Bauernhöfe, die sich südöstlich gegenüber der Burg auf einem nach Süden abfallenden Hang befanden. Die an der Rodung teilnehmenden Bauern erhielten - wie oben erwähnt - Privilegien wie abgabefreie Jahre. Überhaupt sinken im Hochmittelalter die Lasten der Bauern und sie erhalten eine viel größere Selbstständigkeit; so kam es damals zur Ausbildung der ländlichen Gemeinde, da die Bauern nun an der Verwaltung des grundherrlichen Dorfes wie etwa als Schöffen im Niedergericht beteiligt und zur Nutzung der Dorfflur berechtigt waren. Den Grundherren war nämlich daran gelegen die Bauern nicht durch Abwanderung in Städte und in die damals neuen deutschen Ostgebiete (zwischen Elbe/Saale und Oder) zu verlieren.
Durch die Anlage von Söldengütern im Laufe des späten Mittelalters nahm Reuth den Charakter eines Haufendorfes an. Kennzeichnend für ein Haufendorf sind die unregelmäßig angelegten Höfe. Im Jahre 1387 verkaufte das Geschlecht seine Stammburg Trautenberg und verlegte seinen Sitz nach der günstiger gelegenen Burg Reuth. In der Urkunde des Klosters Waldsassen vom 26. Juli 1337 wurde Otto von Trautenberg, Inhaber der „Veste zu der Reuth“, zum Vogt der klösterlichen Besitzungen Lengenfeld und Rothenbürg bestellt. Der Vogt war weltlicher Schutz- und Gerichtsherr meist über Klöster oder Klosterbesitz so wie hier über einen Teil des Besitzes der Mönche, da diese solch weltliche Aufgaben nicht übernehmen durften.
Unsere Gegend wurde von der Herrschaft Parkstein aus verwaltet und nach dem Tod des Markgrafen Diepold III. im Jahre 1146 wurde das ganze Gebiet bis nach Eger durch den deutschen König Konrad III. als heimgefallenes Reichslehen eingezogen. Die Herrschaft Parkstein wurde nun von den Sulzbacher Grafen erworben. Nachdem der letzte Graf von Sulzbach, Gebhard II., im Jahre 1188 gestorben war erwarb der deutsche König und römische Kaiser Friedrich I. Barbarossa die wichtigen Burgbezirke Floß und Parkstein und besaß so das ganze Land von hier bis südlich von Weiden nach Luhe und nach Osten bis Vohenstrauß. So wurde unsere Gegend Hausgut der Stauferkaiser und schließlich von ihnen in ihr Egerer Reichsland eingebunden - also zu Reichsgut, das nur dem König unterstand. Bis auf einige Reichslehen, die noch die Leuchtenberger Landgrafen und andere Geschlechter hielten, hatten die Staufer nun alles Land von Nürnberg bis Eger in ihren Händen.
Den Burgbezirk Parkstein (und damit Reuth) riss sich, nach dem tragischen Ende des letzten männlichen Staufers Konradin 1268 in Süditalien, König Ottokar von Böhmen unter den Nagel, der das Gebiet noch vor 1273 an den Herzog von Niederbayern weitergab. Beide hatten jedoch keinen Rechtsanspruch auf Parkstein, das - wie oben erwähnt - Reichsgut war und eigentlich von einem königlichen Amtsträger (dem Nürnberger Burggrafen) für den deutschen König verwaltet werden sollte.
Nach diesen Wirren, die in Deutschland auf das Ende der Staufer folgten, forderte schließlich der neue deutsche König, Rudolf I. (1273-1291) aus dem Haus Habsburg, das Amt Parkstein wieder erfolgreich für die Krone zurück. Kaiser Karl IV., als König von Böhmen Karl I., aus der Dynastie der Luxemburger, schlug Mitte des 14. Jahrhunderts den Burgbezirk Parkstein an sein Königreich Böhmen. Damit zählte Reuth zum Hausgut des luxemburgischen Geschlechts und zu ihrem Kernland, dem Königreich Böhmen, das selbst wiederum Teil des römisch-deutschen Reiches war. Reuth findet sich daher auch im Salbuch des Kaisers über seine oberpfälzischen Besitzungen, das er 1366/68 anlegen ließ. Am Ende des Jahrhunderts kam die Herrschaft Parkstein jedoch wieder an die Wittelsbacher.
Im Krieg des Markgrafen Friedrich von Brandenburg, der auch Burggraf von Nürnberg war, und Herzog Johanns von Neumarkt, gegen Herzog Ludwig VII., „den Gebarteten“ von Bayern-Ingolstadt 1420-1422, kämpfte der Burgherr von Reuth, Andreas von Trautenberg, auf Seiten der Ersteren. In einer Urkunde vom 24.01.1417 wird er als Bürge und Mitsiegler wie folgt bezeichnet: Andres Trawtenberger zu der Räwt. Laut der Urkunde verkaufte Ulrich Erlbekeh zu Pressat seinen dortigen Sitz an den bayerischen Herzog Ludwig. Um 1440 wird Reuth durch Krusina von Schwanberg aus Böhmen, der in Fehde mit dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg lag, total verwüstet. Den damaligen Herrn von Reuth, Erhart von Trautenberg, finden wir 1460 mit 40 gepanzerten Reitern in Landshut, bei Herzog Ludwig IX., „dem Reichen“ von Bayern-Landshut, der damals in Fehde mit dem Markgrafen von Brandenburg lag. Herzog Ludwig IX. war der spätere Initiator der "Landshuter Hochzeit" seines Sohnes Georg.
Nach diesen Wirren, die in Deutschland auf das Ende der Staufer folgten, forderte schließlich der neue deutsche König, Rudolf I. (1273-1291) aus dem Haus Habsburg, das Amt Parkstein wieder erfolgreich für die Krone zurück. Kaiser Karl IV., als König von Böhmen Karl I., aus der Dynastie der Luxemburger, schlug Mitte des 14. Jahrhunderts den Burgbezirk Parkstein an sein Königreich Böhmen. Damit zählte Reuth zum Hausgut des luxemburgischen Geschlechts und zu ihrem Kernland, dem Königreich Böhmen, das selbst wiederum Teil des römisch-deutschen Reiches war. Reuth findet sich daher auch im Salbuch des Kaisers über seine oberpfälzischen Besitzungen, das er 1366/68 anlegen ließ. Am Ende des Jahrhunderts kam die Herrschaft Parkstein jedoch wieder an die Wittelsbacher.
Im Krieg des Markgrafen Friedrich von Brandenburg, der auch Burggraf von Nürnberg war, und Herzog Johanns von Neumarkt, gegen Herzog Ludwig VII., „den Gebarteten“ von Bayern-Ingolstadt 1420-1422, kämpfte der Burgherr von Reuth, Andreas von Trautenberg, auf Seiten der Ersteren. In einer Urkunde vom 24.01.1417 wird er als Bürge und Mitsiegler wie folgt bezeichnet: Andres Trawtenberger zu der Räwt. Laut der Urkunde verkaufte Ulrich Erlbekeh zu Pressat seinen dortigen Sitz an den bayerischen Herzog Ludwig. Um 1440 wird Reuth durch Krusina von Schwanberg aus Böhmen, der in Fehde mit dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg lag, total verwüstet. Den damaligen Herrn von Reuth, Erhart von Trautenberg, finden wir 1460 mit 40 gepanzerten Reitern in Landshut, bei Herzog Ludwig IX., „dem Reichen“ von Bayern-Landshut, der damals in Fehde mit dem Markgrafen von Brandenburg lag. Herzog Ludwig IX. war der spätere Initiator der "Landshuter Hochzeit" seines Sohnes Georg.
Als die Territorialfürsten, wie in Bayern die Wittelsbacher, ihre Landesherrschaft ausbauten, konnte der niedere Adel seine Selbständigkeit meist nicht behaupten. Ihnen blieb nichts anderes übrig als ihr Eigentum dem Landesherrn zu übereigenen und es als Lehen von ihm zurückzuerhalten. Als Lehnsmann (Vasall) hatte man nun natürlich Pflichten seinem Herrn gegenüber zu erfüllen. Auf diese Weise erfolgte die Integration des kleinen Territorialadels in die großen deutschen Landesherrschaften bzw. Fürstentümer. Das Mittel dazu war die Lehnsauftragung.
Auch den Trautenbergern blieb am Ausgang des Mittelalters wohl nichts anderes übrig als ihre Herrschaft Reuth zu feudalisieren. Meist war nun der Landesherr auch der Lehnsherr. Hier war dies jedoch anders. Erhart trug nicht dem Landesherrn Reuth zu Lehen auf, sondern dem benachbarten Königreich Böhmen. Es war nun ein „Außenlehen“ (feuda extra curtem) der böhmischen Krone innerhalb der bayerischen Landesherrschaft. Die meisten dieser Außenlehen im römisch-deutschen Reich konnten sich jedoch nicht halten; bei Reuth war allerdings der Lehnsherr (Böhmen) nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern mindestens auch genauso mächtig wie der wittelsbachische Landesherr. Außerdem hatte die böhmische Krone neben Reuth noch einige andere Lehen in der Oberen Pfalz. Dagegen waren die Wittelsbacher daran interessiert auswärtige Oberlehnsansprüche - wie hier durch den König von Böhmen - zu beseitigen.
Die Trautenberger erhielten sich so eine gewisse Selbständigkeit, da es künftig immer wieder zu Differenzen zwischen Lehnsherr und Landesherr kam. Ob dies bereits für die Trautenberger das Motiv für die Lehnsauftragung war, ist unwahrscheinlich, da es ihnen zunächst wohl viel eher um Schutz durch einen mächtigen Fürsten ging. Wie erwähnt, wurde Reuth und die ganze Gegend um 1440 in einer Fehde völlig verwüstet, und wenige Jahrzehnte zuvor tobten die Hussitenkriege. In späterer Zeit war dann der Doppelstatus als kurpfälzisches- dann kurbayerisches Landsassengut und böhmisches Kronlehen ohne Zweifel hilfreich. So konnten sich die Herren von Reuth - je nach Vorteil - an die eine oder andere Seite wenden, also Lehnsherr und Landesherr gegeneinander ausspielen. Hauptstreitpunkte zwischen verschiedenen Landes- und Lehnsherren waren meistens Rechts- und Herrschaftsangelegenheiten in diesen Grundherrschaften. Für die Untertanen war diese Konkurrenzsituation verschiedener Herrschaftsansprüche und der simultane Status der Reuther Grundherrschaft freilich nicht erfreulich, da sie darunter oft zu leiden hatten. Sie saßen im wahrsten Sinne des Wortes „zwischen den Stühlen“.
Als nun Erharts Sohn Jakob ohne einen männlichen Erben starb, wurde Reuth von König Wladislaw II. von Böhmen als heimgefallenes Lehen eingezogen und 1490 an einen königlich-böhmischen Landesbeamten vergeben. Ein Verwandter der Verstorbenen, Georg von Trautenberg, erwarb Reuth jedoch 1491. Im Jahre 1518 wird er vom neuen Böhmenkönig, Ludwig II., mit Reuth belehnt. Erhart, sein Sohn und Erbe, wurde 1527 auf der Prager Burg von König Ferdinand I. mit der Veste Reuth belehnt. Mit Ferdinand I., der 1531 auch zum römischen (d. h. deutschen) König gewählt wurde, begann die lange Zeit der habsburgischen Lehenshoheit über Reuth, die bis Ende 1805 bestand. Noch in den 1530er Jahren verkaufte Erhart den Wald Aspenlohe mit dem dortigen Teich an das Kloster Waldsassen für 190 Gulden. Nach Erharts Tod 1542 erhielten seine Söhne Heinrich und Wolf Christoph die Veste Reuth. Da sie noch unmündig waren und unter Vormundschaft standen, gewährte der König ihnen einen Aufschub des Lehensempfanges auf zehn Jahre. Schließlich wurden sie 1549 von Ferdinand I. mit Reuth belehnt. Von Ferdinands Sohn und Nachfolger, Kaiser Maximilian II., erhielten sie Reuth 1567. Als Wolf Christoph starb, wurde Heinrich von Trautenberg 1570 in Prag alleine mit Reuth belehnt. Im Jahre 1578 erfolgte die Belehnung durch Kaiser Rudolf II. Auch Heinrich von Trautenberg wurde damals lutherisch; schließlich starb er 1584 und wurde in der Kirche in Krummennaab bestattet. Trotz beträchtlicher Schulden, die er seinem Sohn Wolfgang Christoph hinterließ, ist dieser 1585 vom Kaiser mit der Veste Reuth belehnt worden. Wolfgang Christoph starb 1597 als letzter Trautenberger auf Reuth und wurde wie sein Vater in der evangelischen Kirche in Krummennaab begraben, wo noch heute sein Grabmal zu sehen ist.
Zum Glück für den Ort heiratete einer der Hauptgläubiger, Georg Friedrich von Unruh, die Witwe und beglich mit 26.600 Gulden die Forderungen der anderen Gläubiger. Der Reuther Gutskomplex blieb so beisammen. 1613 wurde er mit seinem Bruder von Kaiser Matthias mit Reuth belehnt. Georg Friedrich von Unruh wehrte sich bis zuletzt gegen die Rekatholisierung der Oberpfalz, die zu Beginn des 30-jährigen Krieges an Herzog Maximilian von Bayern fiel. Im Jahre 1628 war er als Mitglied der Delegation der oberpfälzischen Ritterschaft in München, um zumindest eine Verlängerung des Emigrationstermins zu erwirken. Ende Februar 1629 erhielt der über 70-Jährige den Befehl innerhalb dreier Tage das Land zu verlassen, da er noch immer nicht zum Katholizismus übergetreten war. Bereits im Juni desselben Jahres starb Unruher im Exil: im Markgrafentum Bayreuth.

Sein Schwiegersohn, Hans Adam von Sparneck, übernahm die Veste zu der Reuth. Dieser hatte Anna Barbara, die Tochter des Unruhers aus der Ehe mit der Witwe des letzten Trautenbergers von Reuth, im Jahre 1618 geheiratet. Dass der Ort im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) aufgrund von Truppendurchzügen und Einquartierungen entsprechend litt, braucht wohl nicht groß hervorgehoben zu werden. Hans Adam von Sparneck hatte sich 1621 noch geweigert sich Herzog Maximilian von Bayern zu unterwerfen wurde aber 1629 dann doch katholisch. Nun bewilligte auch Kaiser Ferdinand II. seine Besitznachfolge auf Reuth. Hans Adam von Sparneck nahm es aber mit der Bekehrung nicht ernst und schlug sich im Krieg auf die Seite der protestantischen Schweden, denen er als Rittmeister diente. Er starb um 1642 und hinterließ neben zwei Töchtern auch zwei Söhne.
Da sich der eine Sohn auf die väterliche Besitzung Trausnitz zurückzog, entschloss sich der andere, Johann Christoph Erdmann von Sparneck, 1668, nachdem er vier Jahre zuvor seinen Militärdienst für Kurbayern quittiert hatte, das kurbayerische Landsassengut und böhmische Kronlehen Reuth zu übernehmen. Nach immer wiederkehrenden Androhungen der Landesverweisung von bayerischer Seite traten er und seine Frau Anna Barbara, eine geborene von Grafenreuth, schließlich 1674 zum katholischen Glauben über. Im Jahre 1691 wurde in der Reuther Kirche ein 20-jähriger Türke getauft, den ein Neffe des Herrn von Reuth aus den Türkenkriegen mitbrachte. Bei diesem wohl vom Balkan stammenden Jungen dürfte es sich um ein Opfer der berüchtigten osmanischen Knabenauslese gehandelt haben: als Kinder sind sie ihren christlichen Eltern weggenommen worden, mussten zum Islam konvertieren und wurden zum Militärdienst für den Sultan gezwungen. 1678 fertigte der Erbendorfer Schreiner und Bildhauer Niklas Steiner die Kanzel der Reuther Kirche, die sich mit ihrem reichen Akanthusschmuck noch heute im Nachfolgebau von 1717 wiederfindet. Kaiser Joseph I. belehnte den inzwischen 75-jährigen Johann Christoph im Jahre 1710 mit der Herrschaft Reuth.
Da sich der eine Sohn auf die väterliche Besitzung Trausnitz zurückzog, entschloss sich der andere, Johann Christoph Erdmann von Sparneck, 1668, nachdem er vier Jahre zuvor seinen Militärdienst für Kurbayern quittiert hatte, das kurbayerische Landsassengut und böhmische Kronlehen Reuth zu übernehmen. Nach immer wiederkehrenden Androhungen der Landesverweisung von bayerischer Seite traten er und seine Frau Anna Barbara, eine geborene von Grafenreuth, schließlich 1674 zum katholischen Glauben über. Im Jahre 1691 wurde in der Reuther Kirche ein 20-jähriger Türke getauft, den ein Neffe des Herrn von Reuth aus den Türkenkriegen mitbrachte. Bei diesem wohl vom Balkan stammenden Jungen dürfte es sich um ein Opfer der berüchtigten osmanischen Knabenauslese gehandelt haben: als Kinder sind sie ihren christlichen Eltern weggenommen worden, mussten zum Islam konvertieren und wurden zum Militärdienst für den Sultan gezwungen. 1678 fertigte der Erbendorfer Schreiner und Bildhauer Niklas Steiner die Kanzel der Reuther Kirche, die sich mit ihrem reichen Akanthusschmuck noch heute im Nachfolgebau von 1717 wiederfindet. Kaiser Joseph I. belehnte den inzwischen 75-jährigen Johann Christoph im Jahre 1710 mit der Herrschaft Reuth.
Nach dem Tode von Johann Bernhard 1714 übernahm nun Johann Christian Ernst von Sparneck, als Rittmeister im Lobkowitzschen Kürassierregiment ebenfalls ein Veteran der Türkenkriege, die Veste Reuth. Er ließ 1717 die heute wegen ihres monstranzförmigen Hochaltars aus Akanthusschnitzwerk weit und breit bekannte Kirche „St. Katharina“ gegenüber dem Schloss errichten. Er starb 40-jährig im Jahre 1722 und wurde in der neuen Kirche bestattet. Dort ist neben den beiden Grabmälern seiner Eltern auch seines eingemauert, das ihn als Herrn auf Reuth, Kammerjunker des Pfalzgrafen von Sulzbach und Rittermeister des Kaisers ausweist.
Johann Christoph, der jüngste der vier Brüder, wurde 1724 von Kaiser Karl VI., dem Vater Maria Theresias, mit Reuth belehnt. Er starb jedoch bereits ein Jahr später in Püchersreuth. Er hinterließ zwei unmündige Söhne (Lothar Franz Ferdinand und Josef Karl Edmund) für die Vormünder bestellt werden mussten. Ersterer fiel 1739 im Türkenkrieg bei Esseg an der Drau (heute Osijek in Kroatien), der andere verstarb 25-jährig im Jahre 1744. So fiel Reuth wieder an die böhmische Krone zurück. In das Jahr 1742 fällt die offizielle Gründung der Schlossbrauerei Reuth, die noch heute besteht. Bier wurde hier freilich schon seit dem Spätmittelalter gebraut. Maria Theresia belehnte schließlich 1747 Graf Johann Franz Wenzel von Kaiserstein mit Reuth, der sich jedoch nie hier aufhielt. Dessen Sohn, Graf Anton, erhielt die Veste nach dem Tod des Vaters 1761. Da auch Anton von Kaiserstein keinen Erben hinterließ, fiel Reuth erneut an die Krone.
Nun erhielt der 49-jährige ehemalige kaiserliche Generalmajor, Johann Georg Heinrich Philipp Freiherr von Reitzenstein, für 35.000 Gulden die Veste Reuth. Er wurde 1772 von Maria Theresia belehnt. In die seit 1744 nicht mehr bewohnte Veste investierte er große Summen. Auch seine Nachkommen trugen zu dem folgenden Aufschwung in Reuth viel bei und so ist ihnen heute nicht umsonst eine Straße im Ort gewidmet. Man kann sagen, dass das heutige Aussehen des Schlosses auf sie zurückgeht. So wurden unter ihnen die mittelalterlichen Reste - leider - beseitigt, Ställe und Scheunen neu erbaut, dass Bräu- und Malzhaus erweitert und die Schlossgärten angelegt. Auch wurde unter den von Reitzenstein - obwohl evangelisch - 1799/1800 die katholische Kirche „Unserer Lieben Frau“ in Premenreuth errichtet und gefördert, insbesondere aufgrund des Wallfahrerzustroms in jener Zeit. Damals sollen angeblich jährlich teilweise bis knapp über 5.000 Wallfahrer zu dem wundertätigen Gnadenbild der Mutter Gottes mit dem Kind nach Premenreuth gepilgert sein. Die bisherige kleine Wallfahrtskapelle musste wegen Einsturzgefahr 1799 eingerissen werden und dem heutigen Neubau weichen.
Im Jahre 1832 wurde von ihnen die Allee zwischen Reuth und Premenreuth angelegt. Auch ein Eisenhammer und das Forsthaus in Josephshof,
benannt nach Kaiser Joseph II., wurden bereits unter dem ersten Reitzensteiner errichtet. Auch die Wirtschaft im Ort wurde von ihnen kräftig gefördert; so wurden ohne kurbayerische Erlaubnis Draht-, Glas- und Paterlhütten gebaut, Fabrikarbeiter, Künstler und Handwerker angesiedelt, Land kultiviert und Häuser gebaut. Schon 1774 beantragte der General v. Reitzenstein, dass Gottesdienste in der Wallfahrtskapelle Premenreuth von Geistlichen aus der Nachbarschaft abgehalten werden sollten. Er bot auch an, selbst einen katholischen Schlosskaplan einzustellen und auf eigene Kosten zu unterhalten. Neben Unterkunft und Holz hätte er diesem jede Woche einen Gulden und 30 Kreuzer, sowie fünf Freimessen zugestanden. Dafür hätte dieser zweimal in der Woche auch in Reuth in der kath. Kirche „St. Katharina“ für die Bevölkerung Messen abhalten sollen. Seinem Antrag fügte er noch eine Aufstellung von 19 Krankenheilungen („Wunder“) auf Anrufung von „Maria Hilf“ bei, mit den Worten: „Wie denn noch sehr viele andere Personen sowohl an ihnen (sich) selbst als auch ihrem Vieh und anderen Bedrangnussen zufolge ihres Vertrauens und ihrer Andacht jederzeit Hilf und Heil erlangt haben.“ (Zitat nach J. B. Lehner, Grenzbach, S. 212).
Der eigentlich für Reuth zuständige Pfarrer von Erbendorf war gegen den Antrag des Reuther Hofmarksherrn. Er befürchtete neben finanziellen Einbußen auch eine Reduzierung der Kirchgänger im benachbarten Thumsenreuth, Krummennaab und Bernstein; außerdem glaubte er – nicht zu Unrecht wie sich zeigen sollte –, dass der Herr von Reuth sich von der Pfarrei Erbendorf unabhängig machen wollte. Prompt erhielt der General eine Ablehnung seines Antrags. Für die Wallfahrer in Premenreuth und seine Untertanen erreichte er wenigstens, dass an Werktagen und abgeschafften Feiertagen (ja, das gab es auch damals schon) Geistliche aus Erbendorf hier Gottesdienst hielten. Im Jahre 1778 erhielt der Erbendorfer Pfarrer Weisung aus Regensburg, dass er den Umlauf der Wundermärchen aus Premenreuth vorbeugen solle. Diese werden nur vom Volk verbreitet und ihm sei auch kein wirkliches Wunder aus Premenreuth bekannt, so antwortete dieser dem Bistum. Außerdem, so der Erbendorfer Pfarrer, halte sich der General in Reuth ohne Genehmigung einen jungen Geistlichen aus Neustadt a.d. Waldnaab, der in Reuth und Premenreuth auch an Sonn- und Feiertagen Gottesdienst abhalte. Auch materielle Absichten wurden dem alten General unterstellt, da ja seine örtliche Wirtschaft durch die Wallfahrer weiter Aufschwung erlebte. Auch das Pfarrhaus soll er angeblich nur bauen, um dadurch sein grundherrliches Baumaterial verkaufen zu können. Nicht vergessen darf man freilich die geistliche Fürsorge und Verantwortung des protestantischen Hofmarksherrn gegenüber seinen katholischen Untertanen; zudem unterhielt er freundschaftliche Kontakte zum Abt von Waldsassen. Aber auch die materiellen Motive waren aus Sicht eines fürsorglichen Grundherrn, neben der Sorge um das Seelenheil seiner Untertanen, absolut berechtigt, um Reuth auch wirtschaftlich weiter voranzubringen. Der General muss dabei auch damit gedroht haben einen Kleriker aus Böhmen anzustellen. Da Reuth böhmisches Kronlehen und kurbayerisches Landsassengut war und es deswegen schon Jahrhunderte Schwierigkeiten zwischen den bayerischen Wittelsbachern und den deutschen Habsburgern gab, hätte dies einen weiteren Streitpunkt aufgeworfen und so genehmigte das Bistum schließlich - aus politischen Motiven - eine eigene Curatie für Premenreuth. Erster Curatus wurde Konrad Rodler (1787-1793). Dabei wurde dem Erbendorfer Pfarrer mitgeteilt dies sei nur vorläufig, damit der von Reitzenstein keinen Geistlichen aus Böhmen herüberhole und daher solle er dem neuen Curatus keine Schwierigkeiten machen. Die Curatieerhebung wurde dann allerdings vom Bistum Regensburg nie mehr zurückgenommen.
Da der neue Herr von Reuth evangelisch war, sah er sich zahlreichen Schikanierungen von bayerischer Seite ausgesetzt und so wandte er sich immer wieder Hilfe suchend an die deutsche Lehenschranne in Prag, als die zuständige Gerichtsbehörde der böhmischen Kronlehen. Sowohl die bayerischen Steuerforderungen wie auch die Rekrutierung Reuther Untertanen für das kurbayerische Heer führten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts andauernd zu Differenzen mit der Regierung der Oberen Pfalz in Amberg und mit dem Münchner Hof. Allerdings war einige Zeit lang in Reuth auch ein kaiserlicher Werbeunteroffizier stationiert, um für das österreichische Heer zu rekrutieren. Der Herr von Reuth verlor so viele seiner besten Arbeitskräfte. Nachdem Reitzenstein über Jahre keine Steuern mehr an Kurbayern entrichtete und dies auch seinen Untertanen verbot, drohte die bayerische Seite mit Zwangsmaßnahmen. Im Februar 1795 starb der erste Reitzenstein von Reuth und sein Sohn, Ernst Karl Rudolf, wurde noch im selben Jahr vom letzten römisch-deutschen Kaiser Franz II. (den Kaiser von Haydns „Gott erhalte“) mit Reuth belehnt. Nachdem der Reuther Gutsherr sogar persönlich nach Wien gereist war, um sich dort über die bereits erwähnte bayerische Rekrutierung in den böhmischen Kronlehen zu beklagen, riet der bayerische Gesandte am Kaiserhof der Regierung in München zur Nachgiebigkeit und Milde, da die ganze Angelegenheit in Wien großes Aufsehen errege. Daher erließ München an die Regierung der Oberen Pfalz in Amberg den Befehl, in dieser Sache möglichst ohne Gewalt vorzugehen.
Jedoch kam der böhmische Lehenhof der immer von Kurbayern angedrohten aber nie vollzogenen Exekution zuvor. Noch zu Lebzeiten des ersten Reitzenstein rückte Anfang April 1794 der Graf von Künigl im Auftrag des böhmischen Lehenhofes mit 300 Mann samt einer Kommission in die böhmischen Kronlehen der Oberen Pfalz ein. Sie stellten die böhmischen Landeshoheitszeichen auf und nahmen von den Reuther Untertanen die Huldigung auf Kaiser Franz II. als König von Böhmen ab.
Von bayerischer Seite wurde heftig in Prag und Wien protestiert. Beim Reichstag in Regensburg schrieb der Graf von und zu Lerchenfeld in einem vertraulichen Brief an den bayerischen Kurfürsten nach München, dass der Freiherr von Reitzenstein die ganze Aktion in Wien initiiert haben soll. Im Mai 1794 wurde die deutsche Lehenschranne in Prag vom Kaiserhof in Wien angewiesen, den Grafen von Künigl wieder zurückzupfeifen. Der Herr von Reuth nahm jedoch auch weiterhin von Bayern keine Erlasse entgegen, nachdem diese anschließend versucht hatten, die landeshoheitlichen Rechte, insbesondere die Steuererhebung wieder geltend zu machen; der Freiherr berief sich dabei auf einen Befehl aus Prag. Er ließ auch schon mal die in Reuth ankommenden bayerischen Landesregierungsboten seines Besitzes verweisen.
Ab dem Jahr 1800 legte Kurbayern immer wieder Militär nach Reuth, nachdem der hier befindliche kaiserliche Werbeunteroffzier und eine kaiserliche Truppe abgezogen waren. Ein Jahr später wurde dann von Bayern und Wien die Abmachung getroffen, bis zur endgültigen Regelung der Differenzen den Stand von 1794 zu belassen. So wurden in Reuth von bayerischer Seite noch im gleichen Jahr die böhmischen Landeshoheitszeichen abgenommen und die anhaltende Steuerverweigerung sowie der Widerstand des von Reitzenstein gegen die landesherrliche Autorität stillschweigend hingenommen. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahre 1806 brachte schließlich auch das Ende der Sonderstellung der böhmischen Lehen in der Oberpfalz. Mit dem Frieden von Preßburg Ende 1805 - nach der Niederlage des österreichisch-russischen Heeres bei Austerlitz gegen Napoleon - verlor das Haus Habsburg u. a. alle seine in Bayern gelegenen Lehen.
Reuth fiel nun endgültig an das von Napoleon Bonaparte ins Leben gerufene Königreich Bayern. Am 9. Februar 1806 fand in Reuth der feierliche Gottesdienst anlässlich der Proklamation der bayerischen Königswürde in der katholischen Kirche Premenreuth statt. Bei Nichtteilnahme wurde dem von Reitzenstein damit gedroht noch mehr bayerisches Militär im Ort einzuquartieren. Er selbst begab sich zwar nach Prag, aber seine Familie, den Hofmeister, den Gerichtsverwalter und seine Dienerschaft ließ er am Gottesdienst teilnehmen. Die Soldaten wurden daraufhin abgezogen.
Der damals in Reuth-Premenreuth tätige französische Curatuspriester Jean Desreumaux zelebrierte das Amt. Er war einst als Anhänger der Royalisten während der Französischen Revolution nach Deutschland geflüchtet und war bis 1813 hier Curatus. Nachdem Desreumaux in seine Heimat zurückgekehrt war, starb er als Dechant von Templeuve. Durch die sog. Desreumaux-Stiftung von 1824 erreichte die Curatie Premenreuth eine höhere Dotierung ihrer Pfarrpfründe. Auch während seiner Tätigkeit hier förderte Desreumaux die noch junge Pfarrei.
Im Jahre 1805 lagerte in Reuth ein französisches Dragonerregiment, das kurz darauf am Krieg Napoleons gegen Preußen teilnahm. Am 9. Oktober 1807 erfolgte die erste bayerische Belehnung mit Reuth an Ernst Karl Rudolf Frhr. von Reitzenstein; die zweite und letzte an Albert Ernst Erdmann von Reitzenstein am 20. August 1841 durch König Ludwig I.
Da der neue Herr von Reuth evangelisch war, sah er sich zahlreichen Schikanierungen von bayerischer Seite ausgesetzt und so wandte er sich immer wieder Hilfe suchend an die deutsche Lehenschranne in Prag, als die zuständige Gerichtsbehörde der böhmischen Kronlehen. Sowohl die bayerischen Steuerforderungen wie auch die Rekrutierung Reuther Untertanen für das kurbayerische Heer führten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts andauernd zu Differenzen mit der Regierung der Oberen Pfalz in Amberg und mit dem Münchner Hof. Allerdings war einige Zeit lang in Reuth auch ein kaiserlicher Werbeunteroffizier stationiert, um für das österreichische Heer zu rekrutieren. Der Herr von Reuth verlor so viele seiner besten Arbeitskräfte. Nachdem Reitzenstein über Jahre keine Steuern mehr an Kurbayern entrichtete und dies auch seinen Untertanen verbot, drohte die bayerische Seite mit Zwangsmaßnahmen. Im Februar 1795 starb der erste Reitzenstein von Reuth und sein Sohn, Ernst Karl Rudolf, wurde noch im selben Jahr vom letzten römisch-deutschen Kaiser Franz II. (den Kaiser von Haydns „Gott erhalte“) mit Reuth belehnt. Nachdem der Reuther Gutsherr sogar persönlich nach Wien gereist war, um sich dort über die bereits erwähnte bayerische Rekrutierung in den böhmischen Kronlehen zu beklagen, riet der bayerische Gesandte am Kaiserhof der Regierung in München zur Nachgiebigkeit und Milde, da die ganze Angelegenheit in Wien großes Aufsehen errege. Daher erließ München an die Regierung der Oberen Pfalz in Amberg den Befehl, in dieser Sache möglichst ohne Gewalt vorzugehen.
Von bayerischer Seite wurde heftig in Prag und Wien protestiert. Beim Reichstag in Regensburg schrieb der Graf von und zu Lerchenfeld in einem vertraulichen Brief an den bayerischen Kurfürsten nach München, dass der Freiherr von Reitzenstein die ganze Aktion in Wien initiiert haben soll. Im Mai 1794 wurde die deutsche Lehenschranne in Prag vom Kaiserhof in Wien angewiesen, den Grafen von Künigl wieder zurückzupfeifen. Der Herr von Reuth nahm jedoch auch weiterhin von Bayern keine Erlasse entgegen, nachdem diese anschließend versucht hatten, die landeshoheitlichen Rechte, insbesondere die Steuererhebung wieder geltend zu machen; der Freiherr berief sich dabei auf einen Befehl aus Prag. Er ließ auch schon mal die in Reuth ankommenden bayerischen Landesregierungsboten seines Besitzes verweisen.
Ab dem Jahr 1800 legte Kurbayern immer wieder Militär nach Reuth, nachdem der hier befindliche kaiserliche Werbeunteroffzier und eine kaiserliche Truppe abgezogen waren. Ein Jahr später wurde dann von Bayern und Wien die Abmachung getroffen, bis zur endgültigen Regelung der Differenzen den Stand von 1794 zu belassen. So wurden in Reuth von bayerischer Seite noch im gleichen Jahr die böhmischen Landeshoheitszeichen abgenommen und die anhaltende Steuerverweigerung sowie der Widerstand des von Reitzenstein gegen die landesherrliche Autorität stillschweigend hingenommen. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahre 1806 brachte schließlich auch das Ende der Sonderstellung der böhmischen Lehen in der Oberpfalz. Mit dem Frieden von Preßburg Ende 1805 - nach der Niederlage des österreichisch-russischen Heeres bei Austerlitz gegen Napoleon - verlor das Haus Habsburg u. a. alle seine in Bayern gelegenen Lehen.
Reuth fiel nun endgültig an das von Napoleon Bonaparte ins Leben gerufene Königreich Bayern. Am 9. Februar 1806 fand in Reuth der feierliche Gottesdienst anlässlich der Proklamation der bayerischen Königswürde in der katholischen Kirche Premenreuth statt. Bei Nichtteilnahme wurde dem von Reitzenstein damit gedroht noch mehr bayerisches Militär im Ort einzuquartieren. Er selbst begab sich zwar nach Prag, aber seine Familie, den Hofmeister, den Gerichtsverwalter und seine Dienerschaft ließ er am Gottesdienst teilnehmen. Die Soldaten wurden daraufhin abgezogen.
Der damals in Reuth-Premenreuth tätige französische Curatuspriester Jean Desreumaux zelebrierte das Amt. Er war einst als Anhänger der Royalisten während der Französischen Revolution nach Deutschland geflüchtet und war bis 1813 hier Curatus. Nachdem Desreumaux in seine Heimat zurückgekehrt war, starb er als Dechant von Templeuve. Durch die sog. Desreumaux-Stiftung von 1824 erreichte die Curatie Premenreuth eine höhere Dotierung ihrer Pfarrpfründe. Auch während seiner Tätigkeit hier förderte Desreumaux die noch junge Pfarrei.
Im Jahre 1805 lagerte in Reuth ein französisches Dragonerregiment, das kurz darauf am Krieg Napoleons gegen Preußen teilnahm. Am 9. Oktober 1807 erfolgte die erste bayerische Belehnung mit Reuth an Ernst Karl Rudolf Frhr. von Reitzenstein; die zweite und letzte an Albert Ernst Erdmann von Reitzenstein am 20. August 1841 durch König Ludwig I.

Im Jahre 1818 wurde das 1814 gebildete Ortsgericht Reuth in ein Patrimonialgericht 1. Klasse umgewandelt. Unter Albert Ernst Erdmann von Reitzenstein endete 1848 die adlige Grundherrschaft und Niedergerichtsbarkeit und so wurde Reuth dem Landgericht Erbendorf zugeordnet. Zu seiner Zeit erfolgte in den 1860er Jahren die Anlage der Bahnlinie und des Bahnhofes Reuth, welche er durch Grundabtretung für die künftige Entwicklung des Ortes sehr unterstützte. Der Zusatz "bei Erbendorf" ist erstmals für das Jahr 1877 belegt. Im Jahre 1922 starben die von Reitzenstein auf Reuth in männlicher Linie aus.
Reuth b. Erbendorf, im März 2009
(c) 2009 Andreas Schwohnke
Literaturauswahl:
- Milan Hlavacka, Die böhmischen Länder und das Ende des Heiligen Römischen Reichs, in: Peter C. Hartmann, Florian Schuller (Hg.), Das Heilige Römische Reich und sein Ende 1806. Zäsur in der deutschen und europäischen Geschichte (Themen der Katholischen Akademie in Bayern), Regensburg 2006, S. 87-97.
- Detlef Knipping und Gabriele Raßhofer, Denkmäler in Bayern Band III. 45 Landkreis Tirschenreuth, München 2000.
- Johann B. Lehner, Land und Leute am Steinwald, Band I: Den Grenzbach entlang, Krummennaab 1926.
- Franz X. Lommer, Die böhmischen Lehen in der Oberpfalz, 2 Bde., Amberg 1907/09.
- Hans-Jürgen Nitz, Mittelalterliche Raumerschließung und Plansiedlung in der westlichen regio Egere als Teil des historischen Nordwaldes, in: Oberpfälzer Heimat 35 (1991), S. 7-55.
- Rudolph und Herrmann Frhr. von Reitzenstein, Geschichte der Veste Reuth. Als Beitrag zur Geschichte der Oberpfalz, Bayreuth 1865.
- Michael Schaudig, 250 Jahre Schloßbrauerei Reuth 1742-1992, Reuth 1992.
- Fritz Schnelbögl, Das „Böhmische Salbüchlein“ Kaiser Karls IV. über die nördliche Oberpfalz von 1366/68, München 1973.
- Andreas Schwohnke, Zwischen Wittelsbach und Habsburg: Reuth bei Erbendorf, ein böhmisches Lehen in der Oberen Pfalz, in: Heimat Landkreis Tirschenreuth 19 (2007), S. 136-159.
- Heribert Sturm, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 49, Kemnath. Landrichteramt Waldeck-Kemnath mit Unteramt Pressath, München 1975.